Cannabis – die beste Medizin?

Ein brandaktuelles Thema, das starke Emotionen weckt.

von Franziska Schneider

Cannabis als Medizin

Ist es sicher? Sollte es legal sein? Ist es wirklich die „Wunderdroge“, für die die Leute sie halten? Hier erfährst Du mehr!

Cannabis – was ist das?

Cannabis ist ein Medikament, das von indischen Hanfpflanzen wie Cannabis sativa und Cannabis indica stammt. Der Hanf hat bereits eine jahrtausendealte Tradition als Nutz- und Heilpflanze. Er beinhaltet mehr als 60 sogenannte Cannabinoide.

Die wichtigsten und bekanntesten Inhaltsstoffe sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), deren Gehalt jedoch nach Pflanzensorte erheblich schwanken kann.

Wichtig zu wissen: im Gegensatz zu THC fällt CBD nicht unter das Betäubungsmittelgesetz!

Und genau um CBD geht es beim Einsatz von Cannabis zu medizinischen Zwecken. Auch THC wird medizinisch genutzt. Darüber erfährst du mehr weiter unten im Text.

Man nutzt dafür vor allem die getrockneten Blüten und die daraus gewonnenen Wirkstoffe. Neben dem natürlichen, pflanzlichen Cannabis gibt es inzwischen auch künstlich hergestellte Cannabinoide, wie zum Beispiel Nabilon und Dronabinol, die in der medizinischen Anwendung bereits weit verbreitet sind.

Interessanterweise hat erst die Erforschung von Cannabinoiden zur Entdeckung des körpereigenen Endocannabinoid-Systems beim Menschen geführt.

Was sagt die Wissenschaft zu Cannabis als Medizin?

Die meisten Wissenschaftler sind sich einig über den positiven Effekt des CBD, da dieser Bestandteil des Marihuanas wenig, wenn überhaupt, berauschende Eigenschaften hat.

Gleichzeitig wenden schon viele Patienten medizinisches Marihuana bei der Linderung chronischer Schmerzen an, unter denen Millionen von Menschen leiden.

Ein weiterer großer Vorteil aus wissenschaftlicher Sicht: es ist sicherer als Opiate, da es unmöglich ist, eine Überdosierung vorzunehmen und weitaus weniger süchtig macht.

Außerdem kann Cannabis eine sehr gute Alternative zu konventionellen Schmerz- und Entzündungshemmern (nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR) sein. Deren Einnahme bereitet nämlich oft Probleme für Menschen mit Nierenleiden, Magengeschwüren oder Sodbrennen.

Viele berichten von den Vorteilen des CBD, von der Linderung von Schlaflosigkeit, Angst, Krämpfen bis hin zur Behandlung potenziell lebensbedrohlicher Erkrankungen wie Epilepsie.

Auch THC zu medizinischen Zwecken wird immer beliebter. Insbesondere bei der Behandlung von Schmerzen bei Krebs kommt es immer öfter zur Anwendung.

Zu dem medizinischen Einsatz von Cannabis werden immer mehr Studien erstellt und gleichzeitig der positive Effekt durch die Anwendung in der Praxis untermauert.

Die medizinischen Einsatzmöglichkeiten von Cannabis

Hilft es gegen Übelkeit?

Übelkeit ist nicht unbedingt eine eigenständige Krankheit, sondern oft eine Begleiterscheinung bei Schwangerschaft, auf Reisen oder zu viel Alkoholkonsum. Auch Migräne oder starke Schmerzen können Übelkeit verursachen. Dementsprechend häufig kann hier schonender und oft wirksamer mit den natürlichen Inhaltsstoffen der Hanfpflanze Abhilfe geschaffen werden.

Eine Studie aus dem Jahr 2011 im British Journal of Pharmacology legt zum Beispiel nahe, dass CBD das Auftreten von Übelkeit und Erbrechen stark vermindern und sogar komplett verhindern kann.1)Regulation of nausea and vomiting by cannabinoids. Parker LA, Rock EM, Limebeer CL., Department of Psychology and Collaborative Neuroscience Program, University of Guelph, Guelph, Ontario, N1G 2W1, Canada. DA-9789 (2011 Aug)

Cannabis gegen Schmerzen

Schmerzen

Wie bereits erwähnt, kommt Cannabis-Produkte am häufigsten bei Schmerzen zum wirkungsvollen Einsatz. Dies liegt daran, dass die Cannabinoide der Hanfpflanze denen ähneln, die auf natürliche Weise im Körper produziert werden. Bei der Einnahme beeinflussen sie die entsprechenden Schmerzrezeptoren des Gehirns, aktivieren das Belohnungssystem des Gehirns und reduzieren die Schmerzen. Außer dem schmerzlindernden hat  es einen entzündungshemmenden Effekt.

Eine Studie aus dem Jahr 2015 über den Gebrauch von Marihuana und Cannabinoiden für verschiedene chronische Schmerzzustände zeigt in mehreren Versuchsreihen positive Ergebnisse. Die Forscher zogen das Fazit, dass Cannabis bei der Behandlung einiger Arten von chronischen Schmerzen, einschließlich Neuropathie (Nervenschmerzen) sehr wirksam sein kann.2)Medical Marijuana for Treatment of Chronic Pain and Other Medical and Psychiatric Problems: A Clinical Review JAMA. 2015 Jun 23-30;313(24):2474-83. doi: 10.1001/jama.2015.6199. Review.

Eine weitere Forschungsarbeit aus dem Jahr 2016 ergab, dass die Verwendung von Marihuana für Krebsschmerzen zu einer 64-prozentigen Verringerung des Opioidkonsums, einer verbesserten Lebensqualität und weniger Nebenwirkungen von Medikamenten führte. Es führte auch dazu, dass die Teilnehmer insgesamt weniger Medikamente einnahmen.3)Medical Cannabis Use Is Associated With Decreased Opiate Medication Use in a Retrospective Cross-Sectional Survey of Patients With Chronic Pain Kevin F. Boehnke∗, Evangelos Litinas†, Daniel J. Clauw (March 19th 2016)

Fibromyalgie, Multiple Sklerose und Arthritis

Menschen, die mit Fibromyalgie leben müssen, verspüren unter anderem allgemeine Schmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Auch hier haben Studien gezeigt, dass die Wirkstoffe aus der Hanfpflanze diese Symptome verbessern können.

Die Forschungsergebnisse bestätigen, dass einige der Inhaltsstoffe in Marihuana helfen können, die chronischen Schmerzen, Übelkeit, Muskelkrämpfe und Nervenschmerzen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose (MS) zu lindern.

Auch bei entzündlicher Arthritis (Rheumatoide Arthritis, RA) und Osteoarthritis (OA) können Cannabinoide ihren Beitrag leisten. Sie heften sich an spezielle Rezeptoren im Gehirn und im Immunsystem einer Person. Einer dieser Rezeptoren, der sogenannt CB2-Rezeptor, spielt eine Rolle im Immunsystem, indem er Schmerzen und Entzündungen steuert.

Forscher sind der Meinung, dass CBD auch zu dem positiven Effekt führen kann, dass der Körper natürliche Cannabinoide produziert, die sich an die CB2-Rezeptoren binden.4)Attenuation of early phase inflammation by cannabidiol prevents pain and nerve damage in rat osteoarthritis. Philpott HT1, OʼBrien M, McDougall JJ. Departments of Pharmacology and Anaesthesia, Pain Management and Perioperative Medicine, Dalhousie University, Halifax, NS, Canada.(2017 Dec)

Krämpfe und Spastiken

Im Jahr 2012 entdeckten Forscher der University of California, San Diego School of Medicine, dass Patienten, die Cannabis konsumierten, einen Rückgang der Spastiken um ein Drittel erlebten, verglichen mit Teilnehmern, die ein Placebo erhielten. Noch aufschlussreicher war jedoch, dass Cannabis die Schmerzwahrnehmung der Patienten um die Hälfte reduzierte. Fazit: es gibt derzeit kein anderes Medikament, das diesem Ergebnis auch nur annähernd nahe kommt.5)Smoked cannabis for spasticity in multiple sclerosis: a randomized, placebo-controlled trial. Corey-Bloom J1, Wolfson T, Gamst A, Jin S, Marcotte TD, Bentley H, Gouaux B. (2012 Jul 10)

2014 ergab ein Bericht des Journal of Psychopharmacology, dass Parkinson-Patienten über eine Steigerung der Lebensqualität und des Wohlbefindens berichteten, nachdem sie mit einer täglichen Dosis von 300 mg CBD-Öl behandelt wurden.6)Managing Parkinson’s Disease Symptoms With Medical Marijuana, Gerard Arielle, (2014)  MedicalJane

Epilepsie

Der Einsatz von CBD zur Behandlung von Epilepsie und anderen neurologischen Erkrankungen wird bereits seit einigen Jahren untersucht. Diverse Studien haben nun sogar den Nutzen von CBD bei der Behandlung bestimmter Gruppen von Menschen mit Epilepsie gezeigt, die nicht auf traditionelle Therapien angesprochen haben.7)Effect of Cannabidiol on Drop Seizures in the Lennox–Gastaut Syndrome, Orrin Devinsky, M.D., Anup D. Patel, M.D., J. Helen Cross, M.B., Ch.B., Ph.D., Vicente Villanueva, M.D., Ph.D., Elaine C. Wirrell, M.D., Michael Privitera, M.D., Sam M. Greenwood, Ph.D., Claire Roberts, Ph.D., Daniel Checketts, M.Sc., Kevan E. VanLandingham, M.D., Ph.D., and Sameer M. Zuberi, M.B., Ch.B., M.D. for the GWPCARE3 Study Group (May 17, 2018)

Die FDA (Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten) hat kürzlich die Verwendung von CBD zur Behandlung von Anfällen bei Patienten mit Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) bereits im Alter ab zwei Jahren genehmigt.8)Drug Approval Package: Epidiolex (Cannabidiol) U.S. Food and Drug Administration (2018 July 27th)

Cannabis bei Angst

Depressionen und Angst

In einer Versuchsreihe hat man bei Probanden durch die Einnahme von medizinischem Cannabis eine erhebliche Verringerung der Symptome kurz nach dem Konsum von Cannabis festgestellt. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Verbesserung von Depressionen, Angstzuständen und Stress anscheinend nur vorübergehend auftritt, aber nicht zu einer längerfristigen Verringerung dieser Symptome zu führen scheint.9)Cannabis use temporarily eases symptoms of depression, anxiety, stress, Cuttler C, et al. J Affect Disord. 2018;doi:=10.1016/j.jad.2018.04.054 (April 24, 2018)

ADHS

Es wird angenommen, dass ADHS das Ergebnis von einem Mangel an körpereigenen Botenstoffen (Neurotransmitter) ist. Medikamente, die für einen Zuwachs an Neurotransmittern sorgen, können daher die Symptome lindern.

Die Erkenntnisse legen nahe, dass CBD Menschen mit der Erkrankung helfen kann, mit einigen der schwersten Symptome, zum Beispiel Unruhe, Reizbarkeit und mangelnde Zurückhaltung umzugehen. Ein weiterer Pluspunkt: Cannabis-basierte Produkte zeigen weniger unerwünschte Nebenwirkungen als traditionelle ADHS-Medikamente.

Allerdings fehlen hier noch groß angelegte Studien und der aktuelle Forschungsstand, sagt, dass Marihuana für Heranwachsende negative Auswirkungen hat.

Cannabis bei Krebspatienten

Appetitsteigerung bei Krebs- und HIV-Patienten

Die sprichwörtlichen Fress-Attacken von Marihuana-Konsumenten sind Legende. Aber auch bei dem ernsten Thema von Krebs- und HIV-Patienten leisten Cannabinoide ihren Beitrag.

CBD kann zur Behandlung von Appetitlosigkeit bei chronischen Krankheiten angewandt werden, so Experten der Washington State University. Sie identifizierten die Hirnregionen, die bei Einnahme in den „Hunger“-Modus wechseln.

Dieser Wechsel tritt mit Verzögerung in Kraft tritt, da normalerweise ein leerer Magen ein Hormon namens Ghrelin freisetzt, gleichbedeutend mit einer Nachricht an das Gehirn, dass es Zeit ist, nach Nahrung zu suchen. Die Forscher fanden heraus, dass die medizinisch wirksamen Substanzen der Hanfpflanze einen regelrechten Ghrelinschub auslösten.10)Society for the Study of Ingestive Behavior How cannabis affects appetite: Brain changes (2018, July 17)

Darmerkrankungen

Zu den entzündlichen Darmerkrankungen gehören zum Beispiel auch Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Ein Forscherteam untersuchte 2018 den Entzündungsprozess.

Bei einer Infektion reagiert das Immunsystems und sendet Neutrophile (eine Art weiße Blutkörperchen) zur Bekämpfung von fremden Mikroorganismen wie Viren oder Bakterien aus. Reagieren diese jedoch überproportional, so können sie auch die Schutzschicht des Darms zerstören. Um diese Überreaktion zu stoppen, helfen körpereigene Cannabinoide (Endocannabinoide).11)Intestinal P-glycoprotein exports endocannabinoids to prevent inflammation and maintain homeostasis Rose L. Szabady, Christopher Louissaint, Anneke Lubben, Bailu Xie, Shaun Reeksting, Christine Tuohy, Zachary Demma, Sage E. Foley, Christina S. Faherty, Alejandro Llanos-Chea, Andrew J. Olive, Randall J. Mrsny, and Beth A. McCormick (August 13, 2018)

Hierbei kann auch die Einnahme von Cannabis unterstützen, um die Schädigungen am Darm zu verhindern.

Schlafstörungen

Es gibt viele Befürworter von Cannabis zur Behandlung von Schlafstörungen, mit wenigen bis keinen Nebenwirkungen – ein herausstechender Vorteil im Gegensatz zu vielen traditionellen Schlafmitteln. Es hilft, den natürlichen Schlafzyklus einer Person wiederherzustellen, der so oft nicht mit unseren Zeitplänen im heutigen modernen Lebensstil übereinstimmt.

Das liegt vermutlich daran, dass Cannabis mit dem körpereigenen (Endo-)Cannabinoidsystem interagiert, das dem Körper hilft, einen Zustand des Gleichgewichts und der Stabilität (Homöostase) zu erhalten. Gleichzeitig können Angst und Stress durch Marihuana gelindert werden.

Obwohl auch auf diesem Gebiet noch Forschungsarbeit notwendig ist, scheint CBD hier vielversprechende Erfolge aufzuweisen.

Demenz

Derzeit gibt es keine gesicherten Belege dafür, dass Cannabis Demenz stoppen, umkehren oder verhindern kann. Allerdings deutet die aktuelle Forschung darauf hin, dass hohe Konzentrationen von CBD-Öl für die Behandlung einiger der Symptome von Demenz wie Unruhe und Angst nützlich sein könnten.

Glaukom

Derzeit existiert es keine anerkannten Forschungsergebnisse, die zeige würden, dass Cannabis eine wirksame Behandlung des Glaukoms ist. Eine Studie zeigte sogar, dass CBD den Augeninnendruck erhöhen kann, was das Glaukom verschlimmern würde.

Cannabis legal

Einnahme von Cannabis – die rechtliche Situation

In Deutschland haben Cannabis-Produkte inzwischen die allgemeine Zulassung für den heimischen Markt und werden durch das Bundesamt für die Landwirtschaft und Ernährung überwacht. Aktuell sind rund 50 Hanfpflanzen für die Produktion zugelassen. Diese Pflanzenarten haben nachweislich einen THC-Gehalt von weniger als 0,2 %.

Das bedeutet, dass seit 2017 Ärzte jeder Fachrichtung (mit Ausnahme von Zahn- und Tierärzten) auch (leicht) THC-haltige Mittel verschreiben können. Vorher war das nur über eine Sonder­ge­neh­migung möglich. Wie bei allen Betäubungs­mitteln ist auch für die Verordnung von Canna­bisprodukten eine Höchstmenge von 100 Gramm pro Monat und Patient vorgesehen.

Für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen mit einer schwerwiegenden Erkrankung können Ärzte cannabishaltige Arzneimittel verordnen. Welche Erkrankungen als „schwerwiegend“ zu bewerten sind, ist allerdings nicht im Detail festgelegt.

Österreich ist in diesen Belangen schon etwas fortschrittlicher. CBD zählt dort nicht zu den Suchtgiften und es besteht keine Rezeptpflicht. Generell können Produkte, die einen THC-Anteil von 0,3 Prozent nicht überschreiten, legal verkauft werden.

In der Schweiz sind Cannabidiol-Produkte mit einem THC-Gehalt von unter 1 % nicht einmal mehr dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt, sondern dem Lebensmittelgesetz (Tabakverordnung).

Wir erwarten jedoch, dass sich die Gesetzeslage zu Cannabis in der Medizin in mittlerer Zukunft auf europäischer Ebene angleichen wird. Wir werden dieses Thema aufmerksam weiter verfolgen.

Mehr Details findest Du im folgenden Abschnitt.

Cannabis auf Rezept – die Voraussetzungen

Wie oben bereits geschildert, muss der behandelnde Arzt die medizinische Situation eines jeden Patienten separat beurteilen. Dazu gehört:

  • die Bewertung des Krankheitsbildes im Hinblick auf die Schwere
  • die Beachtung der möglichen Nebenwirkungen
  • die Darlegung, “dass eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung nicht zur Verfügung steht”
  • die Prognose, dass eine “nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht”

Solange es noch keine genauen Vorgaben der Krankenkassen gibt, ist es empfehlenswert, in einem formlosen Antrag auf diese Voraussetzungen einzugehen.

Welche Gründe führen zur Ablehnung?

Wenn der Arzt wie oben beschrieben, eine positive Einzelfallbewertung vorgenommen hat, darf eine Krankenkasse laut Gesetz eine Genehmigung „nur in begründeten Ausnahmefällen“ ablehnen (§ 31 Abs. 6 Satz 2 SGB V). Die Chancen stehen also sehr gut!

Die CaPRiS-Studie (2017)

Das Bundesministerium für Gesundheit hat zwischen 2015 bis 2017 von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU München ein großes Forschungsprojekt durchführen lassen. Dieses sollte den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den Risiken des Cannabis- Freizeitkonsums und zu dem Potential von Cannabisprodukten untersuchen.

In der medizinischen Anwendung von Cannabinoiden wurde ein Nutzen bei Übelkeit, Erbrechen und Appetitsteigerung bei Menschen mit chemotherapeutisch behandelter Krebserkrankung und HIV/AIDS gefunden.

Auch bei chronischen Schmerzen liegen überwiegend Belege für eine Linderung und verschiedene Verbesserungen im Vergleich zum Placebo vor.

Wissenswert: auch diese Studie weist auf das besondere Risiko des frühen Cannabiskonsums durch Jugendliche und Heranwachsende hin, insbesondere bei gleichzeitigem Tabakkonsum.12)Cannabis: Potential und Risiken. Eine wissenschaftliche Analyse (CaPRis) Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LMU München, PD Dr. Eva Hoch, PD Dr. Miriam Schneider, Dr. Chris Maria Friemel, Dr. Rupert von Keller, BA Johannes Kabisch (2015-2017)

Cannabis Dosierung

Wie dosiere ich Cannabis richtig?

Die Wissenschaft rät dazu, alle Cannabis-basierten Medikamente einschleichend zu dosieren, das heißt die Dosis behutsam zu steigern. Die Häufigkeit der Einnahme, die Verabreichungsart und -dauer: dies sind alles wichtige Punkte, die individuell zwischen Arzt und Patient abgesprochen werden müssen.

Als grober Anhaltspunkt wurden in einem Artikel der Pharmazeutischen Zeitung von 2017 beispielsweise folgende Dosierungshinweise gegeben.

Arzneimittel Anfangsdosis / Tag Tagesdosen
Cannabisblüten 0,05 bis 0,1 g bis 3 g
Dronabinol 1,7 bis 2,5 mg bis 30 mg
Nabilon 1 mg bis 6 mg
Cannabisextrakt 1 Sprühstoß bis 12 Sprühstöße

13)Cannabis als Medizin, Was kommt auf die Apotheken zu?, in: Pharmazeutische Zeitung Bussik, D; Eckert-Lill, Ch. (2017) 08/2017

Alles über die Einnahme von Marihuana

Es gibt eine Vielzahl von Produkten und somit auch Darreichungsformen für medizinisches Marihuana. Du kannst es zum Beispiel:

  • flüssig einnehmen: einfach die Tropfen unter deiner Zunge verteilen
  • essen, zum Beispiel in einem Lolli oder Brownie
  • auf die Haut auftragen: als Lotion, Spray oder Öl
  • rauchen
  • einatmen durch einen sogenannten Vaporizer

Wie Du es machst, liegt an Dir und dem Produkt. Jede Methode funktioniert im Körper etwas anders. Beim Rauchen oder Einatmen spürt man die Wirkung sehr schnell, beim Essen kann es schon mal eine Stunde dauern, bis man den Effekt verspürt.

Gut zu wissen – mögliche Nebenwirkungen!

Wie bei allen Medikamenten, kann es auch bei dem Gebrauch von Cannabis-Produkten zu Nebenwirkungen kommen. Dazu gehören:

  • blutunterlaufene Augen
  • Depressionen
  • Schwindelgefühl
  • beschleunigter Herzschlag
  • Halluzinationen
  • niedriger Blutdruck
  • Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit und Koordination

Wie bereits erwähnt, sollten Heranwachsende cannabishaltige Produkte meiden, da sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet.

Da Marihuana einige der gleichen Chemikalien wie Tabak enthält, gibt es auch Bedenken, dass das Rauchen oder Inhalieren die Lunge schädigen könnte. Zudem kann Marihuana unter Umständen süchtig machen, umso mehr je höher der THC-Spiegel und je häufiger die Anwendung ist.

Cannabis in der Medizin – auch für Ältere?

Es gibt leider bislang wenige Studien, die sich explizit auf die Wirkung bei älteren Menschen beziehen. Von daher sind die Auswirkungen von Marihuana auf Menschen, die aufgrund von Alter oder Krankheit geschwächt sind, noch relativ unbekannt. Hier bedarf es auf jeden Fall weiterer Forschung.

Fazit

Viele Menschen möchten gerne mehr über medizinisches Marihuana erfahren, fühlen sich aber verlegen, dies bei ihrem Arzt zur Sprache zu bringen. Dies liegt auch daran, dass die medizinische Fachwelt dieses Thema bislang eher skeptisch beurteilt und vernachlässigt hat.

Hier findet jedoch gerade ein Umdenken statt: es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Studie veröffentlicht wird, ein neues Präparat auf den Markt kommt oder Anwendungsgebiete erforscht werden.

In Summe legen viele Studien nahe, dass Cannabis zu medizinischen Zwecken eine gute Alternative zu konventionellen Medikamenten sein kann.

Daher ist es umso wichtiger, als Patient auf dem Laufenden zu bleiben. Es freut uns, wenn wir Dir auch in Zukunft dabei helfen können!

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